Am Samstag, den 12.05, begaben sich sechs Schülerinnen und Schüler des Maximilian-von-Montgelas-Gymnasiums mit Ihrem Lehrer Michael Ramich im Rahmen des neuen Schüleraustauschprogramms in der 9. Jahrgangsstufe nach Budapest.

Nach einer knapp siebeneinhalbstündigen Zugfahrt wurden die Vilsbiburger Gymnasiasten von ihren Gastfamilien freudig am Budapester Bahnhof willkommen geheißen. Den restlichen Samstag sowie den Sonntag verbrachten die Schülerinnen und Schüler bei ihren Gastfamilien, wobei unter anderem Ausflüge auf die Margareteninsel oder in die Budapester Innenstadt unternommen wurden.

Das Programm am Montag begann mit einer herzlichen Begrüßung am Obudai Gymnasium durch die Schulleitung und die beiden Deutschlehrerinnen, die im vergangenen Dezember als Begleitpersonen mit nach Vilsbiburg gekommen waren. Daran schlossen sich eine kleine Schulführung sowie ein gemeinsames Programm für die Schülerinnen und Schüler der beiden Gymnasien an. Bei dieser von einer der beiden ungarischen Deutsch- und Geschichtslehrerinnen mit viel Engagement und Sorgfalt ausgearbeiteten Unterrichtseinheit wurden die Beziehungen zwischen Ungarn und Bayern von den Schülerinnen und Schülern durch verschiedene Unterrichtsmethoden selbst erarbeitet. Dabei musste im Internet recherchiert, gezeichnet und auch gesungen werden, um ein noch größeres Interesse an Ungarn und speziell Budapest zu wecken. Nach diesem interaktiven, historischen und aufgrund der vielfältigen Aufgabenstellung erheiternden Einblick in die ungarisch-deutsche Geschichte, gefolgt von einem wunderbaren Mittagessen in einer nahegelegenen Kantine, wurde eine einstündige Schifffahrt auf der Donau unternommen, bei der man einen wunderbaren Ausblick auf die Sehenswürdigkeiten Budapests genießen und viel Historisches dazu erfahren konnte. Den Abend sowie die folgenden verbrachten die Schülerinnen und Schüler bei Ihren Gastfamilien und erhielten dabei nicht nur einen Einblick in die ungarische Lebensweise, sondern lernten auch die ein oder andere ungarische Köstlichkeit kennen.

Der Besuch des Parlaments, zu welchem die Schülerinnen und Schüler durch den ungarischen Finanzminister am Dienstagvormittag eingeladen worden waren, ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, einen tieferen Einblick in die Historie und die politischen Strukturen Ungarns zu erhalten. Aufgrund des anhaltenden Regenwetters wurde die Zeit bis zum angedachten Zoobesuch durch einen etwa zweistündigen Aufenthalt im Westend City Center, welches nach seiner Erbauung im Jahr 1999 das größte Einkaufszentrum in Mitteleuropa darstellte, überbrückt. Danach besichtigte die Schülergruppe den Heldenplatz, auf dem sich zentral das 1929 fertiggestellte Milleniumsdenkmal befindet. Endlich im Zoo angekommen, hatten die Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen viel Freude beim Entdecken und Betrachten der vielen Tierarten, die wohl in deutschen Zoos nur selten zu finden sein dürften. Nach diesem beruhigenden und nicht nur das Herz des begleitenden Biologielehrers höher schlagen lassenden Aufenthalt begab sich die Schülergruppe wieder zurück in den Bezirk Obuda, wo sich das Gymnasium befindet. Auf dem Weg dorthin konnte auch das Milleniumskarussell bestaunt werden, das zum Milleniumsjahr 1896, dem tausendsten Geburtstag Budapests, erbaut worden war. In Obuda angekommen, welches den dritten Bezirk Budapests darstellt, früher Altofen hieß und auch noch lange nach den Türkenkriegen größtenteils deutschsprachig war, folgte ein etwa einstündiger Vortrag über die Geschichte dieses Bezirks und dessen Einwohnern, die sogenannten Donauschwaben oder Braunhaxler. Die beiden vortragenden Damen, Nachfahren der größtenteils im zweiten Weltkrieg vertriebenen Einwohner, erzählten aus ihrer Kindheit und zeigten dabei auch alte Aufnahmen, wodurch sie die Veränderungen der letzten Jahrhunderte in Obuda veranschaulichten. Dem besonders für die Ungarn interessanten Vortrag über die Geschichte des Standorts ihres Gymnasiums folgte ein gemütliches Beisammensein im Rahmen eines kleinen Imbisses, der durch die Altofener Selbstverwaltung bereitgestellt wurde. Die Altofener Selbstverwaltung war so erfreut über den Schüleraustausch ihres Gymnasiums mit einer bayerischen Partnerschule, dass sie diesen Austausch finanziell stark unterstützte. Dank dieser Unterstützung und der des Obudai Gymnasiums waren alle Eintritte und Besuche für die Vilsbiburger Schülerinnen und Schüler kostenlos.

Am Mittwoch wurden vormittags die Burg und das zugehörige Burgviertel mitsamt Matthiaskirche und Fischerbastei besichtigt. Neben einem tollen Ausblick über Budapest von der Budaer Seite aus, wurde den Schülerinnen und Schülern viel Interessantes und Wissenswertes zur Historie etlicher Bauwerke dort erzählt. Nachmittags besuchten die Schülerinnen und Schüler ein Türkisches Heilbad, welches völlig gegensätzlich zu den Bädern und Thermen in Deutschland gebaut und ausgestattet ist. Nach diesem entspannenden und regenerierenden Badaufenthalt begab sich die Schülergruppe zurück zum Parlament, in dessen Nähe sich ein Mahnmal befindet, welches am Vortag wetterbedingt nicht besucht werden konnte. Dieses Mahnmal besteht aus bronzenen Schuhen am Donauufer, welche an ein grausames Verbrechen im Zweiten Weltkrieg erinnern sollen. Damals wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ca. 10.000 Juden, die von den Nazis nicht mehr abtransportiert wurden, von den Pfeilkreuzlern, einer faschistischen Gruppierung, die nach dem Abzug der Nazis in Ungarn die Macht übernahmen, am Donauufer aufgestellt und in die Donau geschossen. Den letzten Abend ließ man dann bei einer gemeinsamen Bowlingpartie und einem Pizzaessen, zu dem alle Schülerinnen und Schüler vom Obudai Gymnasium eingeladen wurden, ausklingen und konnte danach einen wundervollen Regenbogen betrachten.

Für den letzten Vormittag stand zuerst der Besuch der Aussichtskuppel der St.-Stephans-Basilika auf dem Programm. Nach insgesamt 302 Stufen konnte man noch einmal das Panorama von Budapest genießen, diesmal jedoch von der Pester Seite, genossen werden. Beim anschließenden Fußmarsch zur Andrassy Straße, für die die Berliner Straße Unter den Linden sowie der Champs d’Elysee Vorbilder waren, wurde das Judenviertel mit seiner Synagoge besichtigt. Da die Zeit leider etwas knapp war, begaben sich die Schülergruppe noch kurz zum sogenannten Haus des Terrors. Das heutige Holocaust-Museum fungierte von 1937 bis 1944 als Sitz und Gefängnis der ungarischen Pfeilkreuzlerpartei , bevor es 1945 es zum Hauptquartier und Gefängnis des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes wurde, in dem während der kommunistischen Diktatur in Ungarn viele Menschen verfolgt, gequält und getötet wurden. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen in der in Schulnähe gelegenen Kantine, fuhren die Schülerinnen und Schüler gemeinsam zum Bahnhof, wo sie noch genügend Zeit hatten, sich für bei Ihren ungarischen Schülerinnen und Schülern für die vielen neuen Erfahrungen, die Gastfreundschaft und die wundervolle Zeit zu bedanken und zu verabschieden.

Über die geschichtlichen Hintergründe Budapests sowie der Sehenswürdigkeiten informierten überaus kompetent die beiden ungarischen Deutschlehrerinnen Bettina und Christina, die auch Geschichte unterrichten und ihr umfangreiches Wissen mit großer Freude und viel Enthusiasmus an ihre und an die Vilsbiburger Schülerinnen und Schüler weitergaben.

Es wäre schön, wenn sich im kommenden Schuljahr genügend Schülerinnen und Schüler in der 9. Jahrgangstufe am Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium finden, die sich bereit erklären würden, an diesem Austauschprogramm teilzunehmen, so dass diese wunderbare neue Schulpartnerschaft langfristig gefestigt und ausgebaut werden könnte.