Andere Kulturen kennenlernen und schätzen

Workshop für interkulturelle Kompetenz am Montgelas-Gymnasium

Im Rahmen der Talentförderung des Maximilian-von-Montgelas-Gymnasiums haben ausgewählte Schüler der 9. und 10. Klasse am vergangenen Montagnachmittag intensiv an ihrer interkulturellen Kompetenz gearbeitet. 

Martina Blust, eine frühere MMG-Schülerin, Dozentin an der Hochschule Landshut und freiberufliche Beraterin, Trainerin und Coach, erarbeitete mit den rund 25 Teilnehmern, wie man interkulturelle Kompetenz entwickelt.

Bei Reisen in ein anderes Land nehmen die Besucher die spezielle Kultur des Gastlands zunächst romantisch wahr. Man genießt das fremde Essen, die andersartige Architektur und wie die Menschen dort leben. Doch spätestens bei Geschäftsreisen entwickeln fremde Kulturen schnell ihre Tücken.
Neben grundlegenden Informationen und Impulsen im Plenum standen bei diesem freiwilligen Seminar auch verschiedene Übungen im Mittelpunkt. Dabei haben die Schüler wie selbstverständlich Englisch als Sprache des Workshops aufgenommen und auch in den Gruppenarbeitsphasen verwendet.
Jeder Mensch hat seine eigenen Erfahrungen und Träume, seinen Glauben und seine Werte, aber auch Ängste und Vorurteile. Ausgehend von diesen Erfahrungen als Mitglied einer Gruppe wurde den Schülern die eigene kulturelle Prägung und Werte bewusst. Darüber hinaus können sich auch Stereotypen oder sogar Vorurteile anderen Gruppen gegenüber entwickeln, weil die fremde Kultur nur im Ansatz – vergleichbar mit der Spitze eines Eisbergs – offen sichtbar wird.
Als Folge daraus wurde herausgearbeitet, dass in der Begegnung verschiedener Kulturen und Werte angespannte Situationen entstehen können, auf die man sich im Vorfeldeinstellen und vorbereiten sollte. So lernten die jungen Leute, dass Europäer, und hier ganz besonders die Deutschen, klare Ansagen bevorzugen – Kritik inklusive. In Japan zum Beispiel wäre diese Form der Kommunikation sehr verletzend; dort deuten die Menschen Kritik nur an, verdeckt von vielen Höflichkeitsformeln. Ein weiterer Unterschied: Die Deutschen lieben klare Regeln, selbst für Nebensächlichkeiten gibt es Gesetze. Es gibt aber auch Kulturen, in der man die Dinge auf sich zukommen lässt, um sie dann spontan zu lösen; ein Zustand, den ein Deutscher als Chaos empfände.
Um solche kulturellen Dilemmata zu lösen, muss man sich der unterschiedlichen Kulturen bewusst sein und lernen, diese auch wertzuschätzen. In einer Gruppen-Übung haben sich die Schüler auf der Skala der Kulturdimensionen nach Geert Hofstede eingeordnet und die Unterschiede verschiedener Länder diskutiert. Der niederländische Organisationsanthropologe hat die Zusammenhänge zwischen nationalen Kulturen und Unternehmenskulturen analysiert – Machtdistanz, Individualismus und Kollektivismus, Maskulinität versus Femininität und so weiter.